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Willkommen


Herzlich willkommen auf der Internetseite der Mendel-Grundmann-Gesellschaft e.V. Vlotho.

Sie interessieren sich für jüdische Regionalgeschichte? Dann sind Sie hier richtig!

Die Mendel-Grundmann-Gesellschaft e. V. beschäftigt sich seit 50 Jahren mit der Geschichte der Juden in unserer Stadt

Vlotho/Weser. Wenn Sie sich über uns und unsere Arbeit informieren wollen, finden Sie viel Lesenswertes auf dieser Homepage...


Herzliche Einladung zu unseren Veranstaltungen:

19. 4. 2016                   19.30 Uhr Jahreshauptversammlung mit Wahlen, Ev.-ref. Gemeindehaus Moltkestraße

22. - 24. 4. 2016          Bildungsreise in die Altmark/Sachsen-Anhalt: "Auf jüdischen Spuren in Stendal und Tangermünde"

in Zusammenarbeit mit dem Bildungwerk Horizonte e. V. (Anmeldungen bei Ulrich Ammon)

10. 11. 2016                12 Uhr: Gedenken zum Novemberpogrom am Jüdischen Friedhof Wasserstraße mit Kranzniederlegung


Wir freuen uns auf zahlreiche Teilnehmende, denen die Erinnerung an die jüdische Geschichte Vlothos wichtig ist!


 

Zum Tode von Arthur S. Obermayer


Mit Betroffenheit haben der Vorstand der Mendel-Grundmann-Gesellschaft und vor allem die Obermayer-Preisträger Helmut Urbschat und Manfred Kluge die Nachricht vom Tode Arthur Obermayers aufgenommen. Arthur Obermayer starb am 10. Januar 2016 in Dedham/Mass., USA, im Alter von 84 Jahren.

In einem Kondolenzschreiben, das Ralf Steiner, Vorsitzender der MGG, an die Obermayerstiftung gerichtet hat, heißt es: "Mit Betroffenheit haben wir vom Tode Arthur S. Obermayers erfahren. Der Vorstand der Mendel-Grundmann-Gesellschaft, besonders auch unsere Preisträger Helmut Urbschat und Manfred Kluge (Awardees 2008), sprechen den Angehörigen ihre herzliche Anteilnahme aus. Die Tage in Berlin und die Begegnung mit Arthur Obermayer werden stets eindrucksvolle Erinnerungen bleiben. Wir hoffen, dass das gute Werk, das von A. Obermayer begründet wurde, nach seinem Ableben in gleicher Weise fortgesetzt werden kann zur Förderung der Versöhnung und des Friedens in der Welt.“

Dr. Arthur S. Obermayer war ein erfolgreicher US-Unternehmer in der Chemie-Branche, er war politisch aktiv, hatte aber auch großes Interesse an der jüdischen Geschichte. Viele Jahre war er Vizepräsident der „American Jewish Historical Society“. Besonders war er an der deutsch-jüdischen Geschichte interessiert, zumal seine Vorfahren aus Deutschland stammten. Bei einem Besuch in Süddeutschland war er beeindruckt, wie viele Einzelpersonen, Gruppen und Vereine engagiert die lokale jüdische Geschichte erforschen. Mit Erstaunen nahm er zur Kenntnis, dass die Geschichte seiner eigenen Vorfahren bereits Gegenstand der lokalen Forschung war. Seine Großeltern (beiderseits) waren in Deutschland geboren und im 19. Jahrhundert in die USA ausgewandert. Bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an A. Obermayer im Jahre 2007 sagte er: „In der Stadt Augsburg bekam ich die Kopie eines Heiratsvertrages meiner Großeltern, und man zeigte mir das Haus, wo sie und ihre Eltern vor mehr als 200 Jahren gelebt haben.“

Diese Eindrücke und Erlebnisse regten A. Obermayer an, einen Preis zu stiften für die Personen, „die solch eine hervorragende Arbeit auf freiwilliger Basis gemacht haben, um die jüdische Geschichte und das jüdische Erbe in ihrer eigenen Gemeinde zu bewahren“ (Obermayer 2007). In Creglingen, woher viele seiner Vorfahren stammen, gründete er ein jüdisches Museum.

Seit 2000 wird jährlich der „Obermayer German Jewish History Award“ verliehen. Die Preisverleihung findet in zeitlicher Nähe zum Holocaust-Gedenktag (27. Januar) im Berliner Abgeordnetenhaus statt. Der Preis wird immer an fünf deutsche, nichtjüdische Personen verliehen, „die auf freiwilliger Basis in ihren Heimatorten einen herausragenden Beitrag zur Bewahrung des Gedenkens an die jüdische Vergangenheit – ihrer Geschichte und Kultur, ihrer Friedhöfe und Synagogen – geleistet haben“ (Obermayer Foundation, Inc., Eine Ehrung, 2008). Im Januar 2008 wurden Helmut Urbschat und Manfred Kluge auf Vorschlag von Sue Alterman-Moss, Nancy Moss Cohen und Ingrid Moss mit dem Obermayer-Award ausgezeichnet. Die lokale Presse berichtete ausführlich darüber (siehe auch unsere Rubrik „Obermayer Award“).

Im November vorigen Jahres wurden alle Preisträger von der Obermayer-Stiftung aufgefordert, zu Ehren von Arthur Obermayer einen Text-/ Bildbeitrag einzusenden, wie sich die Preisvergabe auf die eigene Arbeit ausgewirkt habe bzw. welche neuen Projekte seit der Preisverleihung in Angriff genommen wurden. Bei der Ehrung im Januar 2016 sollte eine entsprechende Broschüre an Arthur Obermayer, dem es in letzter Zeit nicht mehr gut ging, überreicht werden. Nun aber ist A. Obermayer bedauerlicher Weise vorher verstorben. Die diesjährige Veranstaltung stand ganz unter dem Eindruck des Ablebens des Stifters.

Einige Wochen nach dem Tode hat nun die Obermayer-Stiftung eine Broschüre unter dem Titel „A Tribute to Dr. Arthur S. Obermayer and Obermayer German Jewish History Awardees“ herausgegeben, die einerseits dem Gedenken A. Obermayers gewidmet ist, andererseits aber auch die Preisträger würdigt. In Kurztexten werden die Preisträger von 2000 an gewürdigt, soweit sie Beiträge für die geplante Broschüre eingereicht haben. In einem Kurzbeitrag über unsere Preisträger heißt es:

Manfred Kluge erhielt den Obermayer Award zusammen mit Helmut Urbschat. Die beiden nahmen es als Ermutigung auf, die jüdische Geschichte Vlothos weiter zu erforschen. Obwohl Urbschat aus gesundheitlichen Gründen seine Arbeit aufgeben musste, ging Kluges Wirken weiter. Im Jahre 2008 veröffentlichte Kluge das „Gedenkbuch für die Vlothoer Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung“ im Auftrage der Mendel-Grundmann-Gesellschaft. Im selben Jahr brachte er ein Dokumentarspiel heraus, das mit großem Erfolg aufgeführt wurde. 2013, nach drei Jahren intensiver Forschung, gab Kluge eine neue Auflage von „SIE WAREN BÜRGER UNSERER STADT – Beiträge zur Geschichte der Juden in Vlotho“ heraus. Diese überarbeitete und erheblich erweiterte Version des Buches von 1988 dokumentiert 250 Jahre jüdischer Geschichte in Vlotho von ihrem Ursprung um 1690 bis zu ihrem Ende durch die Deportation der Juden in den Jahren 1941/42.

Über den Zeitraum mehrerer Jahre erforschte Kluge die Inschriften des jüdischen Friedhofs. 2014 veröffentlichte er alle Inschriften auf der Homepage der Mendel-Grundmann-Gesellschaft (www.mendel-grundmann-gesellschaft.de). Seit 2014 fand Kluge einen weiteren Weg, um die jüdische Geschichte Vlothos ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen. Er schlug vor, ein Schaufenster eines leerstehenden Geschäftes im Zentrum der Stadt anzumieten, wo die Bücher der Mendel-Grundmann-Gesellschaft und Ausstellungsplakate zur jüdischen Geschichte Vlothos präsentiert werden können. Auf diese Weise kann die Geschichte der jüdischen Gemeinde und ihrer Mitglieder, die einst Bürger dieser Stadt waren, stets von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

Ein neuer Aufsatz von Kluge über die Geschichte der Juden in Vlotho ist im „Historischen Jahrbuch für den Kreis Herford 2016“ unter dem Titel „Vlothoer Juden und der Erste Weltkrieg“ veröffentlicht worden (Text aus dem Englischen übersetzt). Über die Fortführung des Werkes von Arthur Obermayer schreibt Karen S. Franklin, Vizepräsidentin, dass sich die Kinder Obermayers und seine Frau Judy dazu verpflichtet hätten, die Zukunft der Obermayer Awards zu sichern. „Das Award Programm wird als Projekt der Obermayer Foundation fortgeführt, mit Ko-Förderung durch das Abgeordnetenhaus von Berlin, das Leo-Baeck-Institute und die GerSig (German Special Interest Group of JewishGen)“, heißt es in dem einführenden Text zu der jetzt herausgegebenen Gedenkbroschüre.

 

 

Schicksale jüdischer Kinder und Jugendlicher aus Vlotho

(Begleittext zur aktuellen Schaufenster-Ausstellung der Mendel-Grundmann-Gesellschaft,

Lange Str. 142)

Die Mendel-Grundmann-Gesellschaft hat ihr Schaufenster, Lange Straße 142, erneut umgerüstet. Fünf Großplakate widmen sich nun dem Thema „Schicksale jüdischer Kinder und Jugendlicher aus Vlotho“. Der Vorstand der Mendel-Grundmann-Gesellschaft hofft, dass mit diesem Thema besonders Schülerinnen und Schüler der hiesigen Schulen angesprochen werden. Der folgende Text enthält im zweiten Teil weiterführende Literaturhinweise, die zu einer intensiveren Beschäftigung mit den Einzelschicksalen anregen sollen.

Nach dem Novemberpogrom 1938, als die Nationalsozialisten auch in Vlotho die jüdische Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt hatten, waren die hier verbliebenen Juden sehr verunsichert. Ihre größte Sorge galt ihren Kindern. Wie konnten sie ihre Kinder in Sicherheit bringen?

So entschlossen sich Alwin und Paula Juchenheim schon im Januar 1939, ihre Kinder Lore (13 Jahre) und Hans (11 J.) zu Verwandten nach Holland zu bringen. Ebenso verhielten sich die Eltern von Werner und Günter Katz. Günter (13 J.) brachten sie Anfang 1939 nach Bergen/NL, Werner (14 J.) einen Monate später nach Rotterdam. Sie selbst folgten im Mai 1939 nach.

Andere Familien stellten Überlegungen an, ihre Kinder im Rahmen so genannter „Kindertransporte“ nach England oder Frankreich zu verschicken. So bemühten sich Gustav und Helene Loeb im Frühjahr 1939, ihre Tochter Marianne (damals 17 Jahre alt), bei einer Familie in England unterzubringen. Als dieses scheiterte, wollten sie ihre Tochter von einem amerikanischen Ehepaar adoptieren lassen! Sohn Hans, der im August 1938 schon in die USA ausgewandert war, hatte die Kontakte hergestellt. Aber auch dieser Plan erwies sich als undurchführbar. Jutta (genannt Marianne) Silberberg sollte mit einem von Baron Rothschild finanzierten Kindertransport nach Frankreich gebracht werden, was sich aber auch zerschlug. Auch der Plan von Klara Frank, mit ihrer Tochter nach Groß-Britannien auszuwandern, scheiterte.

So blieben viele Bemühungen der jüdischen Familien, ihre Kinder dem Zugriff der Nationalsozialisten zu entziehen, erfolglos. Auch die Flucht in die Niederlande war letztlich vergeblich, denn nach dem Einmarsch deutscher Truppen wurden auch dort die Juden systematisch verfolgt.

Auf das tragische Schicksal von Lore und Hans Juchenheim soll ausführlicher eingegangen werden. Alwin Juchenheim führte die von seinem Vater gegründete Getreide- und Futtermittelhandlung an der unteren Langen Straße (Lange Straße 16) weiter. Die Juchenheims waren eine recht wohlhabende Familie. Die Kinder besaßen teures Spielzeug. Hans war schon stolzer Besitzer eines Tretautos. Lore und Hans besaßen Rollschuhe, mit denen sie gern in der glatt gefegten Getreidehalle herumfuhren. Hinter dem Haus hatte der Vater Turngeräte aufgestellt, die Lore und Hans, aber auch die Nachbarkinder, gern nutzten. Diese Einzelheiten hat uns eine Zeitzeugin, die mit Lore befreundet war, berichtet.

Lore, geb. am 25. 5. 1926, war ein hübsches, schlankes Mädchen. Sie besuchte die Ballettschule in Bad Oeynhausen und nahm Klavierunterricht in Vlotho. Außerdem lernte sie Hebräisch bei ihrem jüdischen Lehrer. Nach der vierten Klasse der Volksschule besuchte Lore zunächst die Höhere Stadtschule in Vlotho. Ostern 1938 wechselte sie auf ein Mädchen-Gymnasium in Bad Oeynhausen, die Luisenschule. Diese Schule musste sie aber schon am 15. 11. 1938 verlassen, denn auf Grund eines NS-Erlasses wurden alle jüdischen Schüler nach dem Novemberpogrom von den deutschen Schulen verwiesen. Sie begann nun eine Ausbildung zur Schneiderin.

Von Hans, geb. am 25. 10. 1928, wissen wir nicht viel. Auf einem Foto, das ihn als Grundschüler mit seinem christlichen Schulfreund zeigt, erscheint er uns als ein freundlicher, aufgeweckter Junge. Er wurde übrigens von allen nur „Hansemann“ gerufen. Das Schulverbot traf ihn schon als Grundschüler der 3. Klasse.

Von den Gewalttaten am 10. November 1938 war auch die Familie Juchenheim betroffen. Ein Trupp von Nationalsozialisten war in das Haus eingedrungen und hatte die Wohnungseinrichtung demoliert. Paula Juchenheim, die Mutter, war zusammen mit Hans aus dem Haus geflüchtet. Sie wurde aber von einem rabiaten SA-Mann verfolgt und misshandelt. Alwin Juchenheim, der Vater, wurde festgenommen und als „Schutzhäftling“ in das KZ Buchenwald gebracht.

Nach dem Schock des Novemberpogroms brachten die Eltern die Kinder Lore und Hans im Januar 1939 zu Verwandten in Zandaam (NL). Dort hielt sich bereits seit 1935 Emma Juchenheim, die Großmutter, auf. Auch als die deutschen Truppen das Land besetzten, verblieben die Kinder in Holland. Als aber Anfang Dezember 1941 die Eltern, die in Vlotho verblieben waren, den Deportationsbefehl bekamen („Evakuierung in den Osten“), standen die Eltern vor einer schwierigen Entschei-dung: Sollten die Eltern die Kinder in Holland bei den Verwandten lassen oder sie nach Vlotho zurück holen?

„Wenn wir gehen müssen, gehen wir zusammen!“, war die Entscheidung des Vaters und sie beorderten die Kinder nach Vlotho zurück. Die Familie Juchenheim war die erste Familie, die aus Vlotho deportiert wurde. Der Transport ging nach Riga, dann nach Kaunas. Später trennten sich die Wege. Mutter und Tochter kamen nach Stutthoff, wo beide verschollen sind. Vater und Sohn kamen zurück ins Reichsgebiet – nach Dachau, wo der Vater den Tod fand. Hans konnte die Befreiung des KZ Dachau noch erleben, er starb aber an den Folgen der Haft am 2. Juni 1945.

Besonders erwähnt werden sollte auch Ruth Mirjam Windmüller. Sie war mit fünf Jahren die jüngste Deportierte und ist auch das jüngste Holocaust-Opfer aus Vlotho. Bei der Verlegung der Stolpersteine vor dem Haus Heynemann, Lange Straße 83, haben wir ihr das folgende Gedicht gewidmet:

In dieser Straße liefst du mit bunten Kinderträumen.

In diesem Hause schliefst du in wohl geschützten Räumen.

In die Ferne gingst du mit Ängsten und mit Bangen.

In der Fremde warst du im Ghetto bald gefangen.

In der fernen Stadt ging der Tod kalt und grausam um.

Du musstest so früh sterben. Warum? Warum? Warum?

(nach einer Idee von SchülerInnen des Wesergymnasiums)

Einzelschicksale in Übersicht

Literaturhinweise:

Lore Juchenheim

geb. 25.05.1926                                          Gedenkbuch, S. 9 -15

13.12.1941 deport. Riga,

später Kaunas,

19.07.1944 nach Stutthoff

verschollen

Hans Juchenheim                                       Gedenkbuch, S. 9 - 15

geb. 25.10.1928

13.12.1941 deport. Riga,

später Kaunas

01.08.1944 Dachau

Tod nach Befreiung: 02.06.1945

 

Werner Katz                                               Gedenkbuch, S. 24 - 28

geb. 28. 02. 1925

21. 02. 1939 ausgew. NL

Nov. 1942 interniert Westerbork/NL

18.01.1944 deport. Theresienstadt

16.05.1944 deport. Auschwitz

1944/45 Bergen-Belsen

Tod nach Befreiung: 31.05.1945

 

Günter Katz                                                Sie waren Bürger…, 2013, S. 257f.

geb. 01.07.1926

06.01.1939 ausgew. NL

Nov. 1942 interniert Westerbork/NL

18.01.1942 deport. Theresienstadt

28.09.1944 deport. Auschwitz/Blechhammer

21.01.1945 deport. Groß-Rosen

13.02.1945 befreit

1950 ausgew. in die USA

1953 Tod durch Verkehrsunfall

Marianne Frank                                         Gedenkbuch, S. 57 - 59

geb. 14.10.1923

20.10.1937 verzogen nach Leipzig

21.01.1942 deport. Riga

01.10.1944 Stutthoff

Tod in Stutthoff: 12.01.1945

 

 

Marianne Loeb                                            Wir wollen weiterleben…, S. 104-107

geb. 10.02.1922

Krankenschwester-Ausbildung in Berlin

an Scharlach erkrankt

01.08.1941 verstorben in Berlin

beigesetzt in Hannover

 

Gerda Mosheim                                          Gedenkbuch, S. 88 - 91

geb. 23.05.1924

31.03.1942 deport. Warschau

verschollen

 

Ruth Mirjam Windmüller                                      Gedenkbuch, S. 43

geb. 18.03.1937

31.03.1942 deport. Warschau

verschollen

 

Jutta (gen. Marianne) Silberberg                          Sie waren Bürger…, 2013, S. 242f.

(später: verh. Gottesman)                                     Gedenkbuch, S. 36 - 38

geb. 24.06.1927                                          Juden in Handel u. Wandel, S. 46-47

31.07.1942 deport. Theresienstadt

06.10.1944 deport. Auschwitz

28.10.1944 deport. Gr.-Rosen

08.05.1945 befreit

1947 ausgew. in die USA

03.08.2008 verstorben in New York

 

Literatur:

Gedenkbuch für die Vlothoer Opfer der nationalsozialistischen Juden-

verfolgung, Vlotho 2008 (zitiert als Gedenkbuch)

 

Juden in Handel und Wandel der Weserstadt Vlotho,

Ausstellungsbegleitbuch, Vlotho 2001

(zitiert als Juden in Handel und Wandel)

 

Sie waren Bürger unserer Stadt

Beiträge zur Geschichte der Juden in Vlotho

2. erw. Auflage, Löhne 2013

(zitiert als Sie waren Bürger…, 2013)

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Ein Schaufenster gegen das Vergessen

Mendel-Grundmann-Gesellschaft erinnert in der Innenstadt an die jüdischen Mitbürger Vlothos

Vlotho(VZ). Die Mendel-Grundmann-Gesellschaft hält die Erinnerung an die früheren jüdischen Mitbürger Vlothos wach. Im Schaufenster des bislang leer stehenden Ladenlokals Lange Straße 142 ist jetzt die erste Dauerausstellung des Vereins eröffnet worden. Dieses Vereinsschaufenster soll dazu beitragen, dass das Schicksal der im Dritten Reich verfolgten und ermordeten Juden niemals in Vergessenheit gerät.

Im Beisein von Geschäftsmann Jürgen Meier und Andreas Mowe (Stadtmarketing), die sich beide um die Vermittlung von Leerständen kümmern, hat der Vorstand des gemeinnützigen Vereins Mendel-Grundmann-Gesellschaft die Präsentation vorgestellt. Vorsitzender Ralf Steiner, evangelischer Pfarrer in Exter, sagte: »Das Schaufenster ist jetzt unsere Visitenkarte.« Grüße überbrachte er vom Ehrenvorsitzenden Helmut Urbschat, der zur Eröffnung verhindert war.

Das Geschäftshaus von Fleischermeister Peter Wilke stand seit vielen Jahren leer. Es gehört inzwischen der Rehse-Gruppe (Burgstift). Das Schaufenster ist jetzt angemietet worden. Bei der Dekoration half die Firma Köster und Stuke und stiftete Stoffe und Gardinen. Versammlungen und Veranstaltungen des Vereins finden dort nicht statt.

Manfred Kluge hat die erste Ausstellung den wohl bekanntesten jüdischen Mitbürgern Vlothos gewidmet, den Inhabern des Kaufhauses Gustav Loeb und dem Ehrenbürger Hans Stephan Loeb, der sich sich in Amerika Stephen H. Loeb nannte.

Im Jahr 1965 nahm der Studienrat Helmut Urbschat Briefkontakt zu Stephen H. Loeb auf. Gemeinsam planten sie das Mahnmal am jüdischen Friedhof (1969). Das war der Anfang eines allmählichen Versöhnungsprozesses. 1965 ist auch das Gründungsjahr der Mendel-Grundmann-Gesellschaft, die nach einer Unterbrechung im Jahr 1988 zur Versöhnungswoche neu ins Leben gerufen wurde. Ralf Steiner: »Am 14. Oktober 2015 begehen wir nun das 50-jährige Bestehen des Vereins.«

Für eine wechselnde Ausstellung hat Manfred Kluge noch viele Ideen und viel Material parat: zunächst über die verschiedenen Familien, unter anderem über die Mosheims und Grundmanns, dann über das Schicksal jüdischer Kinder und Jugendlicher, im November ganz gewiss das Thema Synagoge und zerstörter Friedhof, schließlich auch über das jüdische Neujahrsfest.

Der kleine Verein mit gegenwärtig 43 Mitgliedern hofft, dass sich ihm weitere Vlothoer anschließen. In dem Schaufenster werden Zielsetzungen und Ansprechpartner genannt. Ausgestellt sind dort auch die Bücher des Vereins, die weiterhin im Buchhandel oder direkt bei den Vorstandsmitgliedern erhältlich sind: »Wir wollen weiterleben: Das Schicksal der jüdischen Familie Loeb, dokumentiert in Briefen und Selbstzeugnissen« (2003) sowie das vollständig überarbeitete Standardwerk »Sie waren Bürger unserer Stadt, Beiträge zur Geschichte der Juden in Vlotho« (2013).

Besonderes Augenmerk finden im Schaufenster die Dekorationsstücke wie der fünfarmige Leuchter und viele andere Gegenstände, die aus dem Nachlass des früheren Küsters von Valdorf, Günter Ueckermann, stammen. Er hatte viele Reisen nach Israel unternommen. Pfarrer Christoph Beyer, der der Mendel-Grundmann-Gesellschaft neuerdings als Schatzmeister angehört, hat diese Dekorationsstücke vermittelt. www.mendel-grundmann-gesellschaft.de

Quelle: Vlothoer Zeitung (Jürgen Gebhard, Reinhard Kehmeier)


Rarität aus dem Hause Loeb

Teller erinnert an jüdisches Leben in Vlotho

Vlotho(VZ). Gegenstände, die jüdisches Leben in Vlotho belegen, sind im Gegensatz zu schriftlichen Quellen sehr selten. Um so größer war die Freude beim Vorstand der Mendel-Grundmann-Gesellschaft, dass eine solche Rarität nun aufgetaucht ist: ein Kuchenteller aus dem Hause der Familie Loeb.

Ein solcher Fund ist deshalb so besonders, weil es bisher hauptsächlich schriftliche Quellen zur Geschichte der Vlothoer Juden gibt. Diese sind außerdem auch recht gut erforscht, wie die im Herbst erschienene Neuauflage von »Sie waren Bürger unserer Stadt« zeigt. Wie das ehemalige Vorstandsmitglied Manfred Kluge mitteilt, haben sich nun die guten Beziehungen der Mendel-Grundmann-Gesellschaft zum Dokumentationszentrum Alte Synagoge Petershagen wieder einmal bewährt. So habe Wolfgang Battermann, stellvertretender Vorsitzende des Petershäger Vereins, die Mendel-Grundmann-Gesellschaft darüber informiert, dass eine Bürgerin aus Bad Oeynhausen einen aus dem Hause Loeb stammenden Kuchenteller gestiftet hatte.

Zur offiziellen Übergabe des Tellers fuhren der Vorsitzende Ralf Steiner und Manfred Kluge gemeinsam mit der Stifterin Marianne Neander nach Petershagen. Dort berichtete Marianne Neander, wie der Kuchenteller in die Hände ihrer Mutter gekommen war: Ihre Mutter, Helene Zurheide (später verheiratete Möller) ging von 1930 bis 1934 bei der Maßschneiderin Reinert in Vlotho in die Lehre. Zu ihren Aufgaben gehörte es auch, Botengänge zu den Auftraggebern zu machen, so zum Beispiel zu den führenden jüdischen Textilgeschäften in Vlotho, zu Rüdenberg und Loeb. Als Dank bekam sie manchmal kleinere oder größere Geschenke: Teile zur Aussteuer, aber auch Porzellan. Vom Ehepaar Gustav und Helene Loeb, die in Vlotho das zweitgrößte Textilkaufhaus führten, erhielt sie, vielleicht zum Abschluss ihrer Lehrzeit, einen Kuchenteller »Rosenthal Ivory Bavaria« geschenkt. Ob der Teller aus dem Haushalt der Familie Loeb stammt, oder als Geschenk erworben wurde, kann nicht mehr geklärt werden. Manfred Kluge: »Etwas anderes aber kann der Teller bezeugen. Er verweist auf die Großzügigkeit, die der Familie Loeb eigen war. Wir erinnern daran, dass die Loebs ihre überwiegend christlichen Angestellten zu Weihnachten regelmäßig mit Geschenken bedachten.«

Helene Möller (geboren Zurheide), die 1988 verstorben ist, hat die Geschichte ihrer Tochter Marianne erzählt. Aber erst jetzt kam Marianne Neander nach Gesprächen mit ihrer Nachbarin auf die Idee, den Kuchenteller, der jahrelang in ihrem Wohnzimmerschrank gestanden hat, der Öffentlichkeit zu übergeben. Das Dokumentationszentrum Alte Synagoge Petershagen erschien als geeigneter Ort, um den Teller in einem angemessenen Rahmen zu präsentieren. Der Rosenthal-Teller, der Chanukka-Leuchter und passend dazu das neue Buch der Mendel-Grundmann-Gesellschaft bilden dort nun ein kleines Vlothoer Ensemble. In einem Begleittext wird auch kurz auf das Schicksal der jüdischen Familie Loeb eingegangen: »Loebs betrieben ein Textilkaufhaus in Vlotho, Lange Straße 104. Sie wurden deportiert und in Riga ermordet. Ihr Sohn Hans überlebte in den USA…«

Quelle: Vlothoer Zeitung

 

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Spendenkonto:

Mendel-Grundmann-Gesellschaft e. V. Vlotho

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