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Willkommen


Herzlich willkommen auf der Internetseite der Mendel-Grundmann-Gesellschaft e.V. Vlotho.

Sie interessieren sich für jüdische Regionalgeschichte? Dann sind Sie hier richtig!

Die Mendel-Grundmann-Gesellschaft e. V. beschäftigt sich seit mehr als 40 Jahren mit der Geschichte der Juden in unserer Stadt Vlotho/Weser. Wenn Sie sich über uns und unsere Arbeit informieren wollen, finden Sie viel Lesenswertes auf dieser Homepage...


Veranstaltungen:

28. - 30. 03. 2014    Reise auf jüdischen und anderen historischen Spuren ins fränkische Bamberg

28. 10. 2014            19.30 Uhr Israel-Palästina: Ursachen und Wirkungen eines tragischen Konflikts (mit aktuellen Bildern)

10. 11. 2014            12 Uhr Gedenken zum Novemberpogrom am Jüdischen Friedhof

27. 1. 2015              19.30 Uhr  Shoa-Gedenktag: 70 Jahre Befreiung des KZ Auschwitz

        

 

Wir freuen uns auf zahlreiche Teilnehmende, denen die Erinnerung an die jüdische Geschichte Vlothos wichtig ist!


Predigt über Epheser 5, 10-17 zum 75. Jahrestag des 10. 11. 1938, der Zerstörung der Synagoge und dem Überfall auf jüdische Geschäfte und Wohnungen in Vlotho, gehalten im Gedenkgottesdienst am 10. 11. 2013 in der ev.-ref. Kirche St. Johannis durch Pfr. Winfried Reuter

Liebe Gemeinde!

Die beiden Bibeltexte, die unser Vorbereitungskreis aus Anlass des 75. Jahrestags der Novemberpogrome ausgesucht hat, versuchen uns Mut zu machen, dem Unrecht, der Unmenschlichkeit, dem Bösen zu widerstehen: dort, wo wir darauf stoßen: in unserer Stadt, in unserer Gesellschaft. Sie versuchen uns zu ermutigen, dem Unrecht, der Unmenschlichkeit, dem Bösen zu widerstehen, dessen wir uns selber schuldig machen: Durch Gedankenlosigkeit und Gleichgültigkeit, durch Wegsehen, dadurch, dass wir viel zu sehr mit unseren eigenen Sorgen und Zwistigkeiten beschäftigt sind. Wie vielen neugeborenen jüdischen Jungen haben die hebräischen Hebammen das Leben gerettet: mit ihrer Unerschrockenheit und Schlagfertigkeit, mit der sie sich den verbrecherischen Befehlen des übermächtigen Pharao widersetzt haben. Sie haben die neugebore-nen Jungen nicht getötet, weil sie Gott gefürchtet haben. Auch der Epheserapostel ist davon überzeugt, dass ohne solche Gottesfurcht gar nichts geht. Mit unserer Macht, mit unserer Kraft ist gar nichts getan. Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt.

Dagmar Ammon, Hannelore Butenuth, Inge Wienecke und ich, die diesen Gottesdienst vorbereitet haben, wir waren alle noch nicht geboren, als am 10. November 1938 in Vlotho die Synagoge zerstört , die noch verbliebenen jüdischen Geschäfte geplündert und der Großteil der jüdischen Wohnungen in Vlotho verwüstet wurden.

Niemand von uns vermag mit Sicherheit zu sagen, wie er, wie sie sich an diesem Tag verhalten hätte. Für die jüdische Bevölkerung und die jüdischen Gemeinden in Deutschland war es in jedem Fall ein einschneidender Tag. Wenn viele jüdische Menschen trotz aller Hetze und der diskriminierender Gesetze gegen sie, bis dahin noch gehofft hatten, dass die Herrschaft der Nazis für sie ein einigermaßen glimpfliches Ende nehmen könnte, nach dem 10. November 1938 war das nicht mehr möglich. Zielte die Politik der Nazis in den ersten Jahren seit 1933 darauf, die Juden aus Deutschland zu vertreiben, so waren die November-pogrome ein verhängnisvolles Zeichen in die veränderte Richtung, die die Politik der Naziherrschaft dann in den Kriegsjahren genommen hat: den Versuch, das gesamte europäische Judentum zu vernichten, zu ermorden.

Hans Stephen Loeb, der älteste Sohn des angesehenen jüdischen Kaufhauses Loeb, das an der Ecke des Kirchplatzes der St. Stephansgemeinde lag, ist ein halbes Jahr vor den Zerstörungsaktionen im November 1938 in die USA ausgewandert. Schon 1933, als er miterlebt hat, wie seine bisherigen Freunde Naziparolen rufend mit den anderen durch die Vlothoer Innenstadt zogen und es nicht wagten, ihm dabei in die Augen zu sehen, war er davon überzeugt, dass es für jüdische Menschen wie ihn in Vlotho keine Zukunftsperspektive gibt. Wie viele andere der älteren jüdischen Generation in Vlotho haben seine Eltern immer wieder abgewiegelt und sich damit getröstet, dass trotz der Aufrufe, dass Deutsche nicht beim Juden kaufen sollen, so viele ihrer Kunden ihnen trotzdem weiter die Treue hielten und keiner der christlichen Angestellten kündigte. Als sein Vater Gustav Loeb nach der Zerstörung seines Geschäfts, wenn auch erst nur vorübergehend, nach Buchenwald ins Konzentrationslager kam, war es mit dieser Illusion vorbei. Viele jüdische Familien versuchten jetzt, auszureisen. Aber nicht nur für die Eltern von Hans Loeb kam diese Umentscheidung zu spät. Die Kehrtwendung in der Politik der Nationalsozialisten war schneller. Die Ausreise wurde erst erschwert und dann verboten. Die Politik der Deportation in die Vernichtungslager begann.

Wenige Jahre später gab es Vlotho keinen jüdischen Mann und keine jüdische Frau mehr. Und so ist es mit wenigen Ausnahmen bis auf den heutigen Tag geblieben. Nur ganz wenige haben die Katastrophe überlebt. Noch nicht einmal eine Handvoll von den Überlebenden sind nach Vlotho zurückgekehrt, und auch diese nur nur für kurze Zeit. Sie haben das Fehlen der jüdischen Gemeinschaft nicht ertragen und nicht die Enttäuschung über das kaum vorhandene Mitgefühl, die Kälte, die ihnen entgegenschlug, hinter der sich nur notdürftig das schlechte Gewissen der deutschen Bevölkerung verbarg. Und so haben wir bis auf den heutigen Tag in Vlotho keine jüdischen Geschwister, mit denen wir samstags im Anschluss an den Schabbat-Gottesdienst diskutieren, denen wir unsere Fragen stellen, von denen wir lernen könnten, ihre und unsere gemeinsame Bibel richtig zu verstehen. Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt. Es hat in Vlotho wie in allen anderen deutschen Städten keinen offenen Widerstand gegen die im Wesentlichen von den Nazibehörden geplanten und durchgeführte Zerstörungsaktionen gegeben. Ich habe nicht über die zu richten, die damals mitgemacht, die Beifall geklatscht oder verschämt weggesehen, die Augen zugemacht und so getan haben, als ob sie das alles nicht's anginge. Nicht alle sind einverstanden gewesen. Jede und jeder, der weiter öffentlich mit jüdischen Menschen gesprochen hat, der trotz Verbot weiter in jüdischen Geschäften gekauft hat, hat damit wenigstens ein kleines Zeichen gibt.

Es hat einzelne gegeben wie den Lehrer Albsmeier, der deutsche Jungen, die einen jüdischen Mitschüler auf einer Wanderung geschlagen haben, dafür vor der Klasse bestraft hat, und der die beruflichen Schikanen, die das für ihn nach sich zog, auf sich genommen hat.

Und auch am 10. November hat es vereinzelt christliche Familien gegeben, bei denen jüdische Familien, deren Wohnung zerstört war, für eine Weile Unterkunft gefunden haben. Wir erinnern heute an das, was vor 75 Jahren geschehen ist. Wir können nicht ungeschehen machen, was zwischen 1933 und 1945 Millionen von jüdischen Menschen, nicht das was Sinti und Roma, Kommunisten, Zeugen Jehovas, Homosexuellen, Menschen mit geistigen Behinderungen und einzelnen, die Widerstand geleistet haben, angetan wurde.

Wir versuchen, vor der Erinnerung nicht wegzulaufen. Wir suchen in den Worten der Bibel nach Ermutigung und Kraft, um es in den Herausforderungen, in denen wir heute stehen, anders zu machen, um es hoffentlich heute besser zu machen. Wir wollen nicht vergessen, dass wir es dabei als Bürger und Bürgerinnen in einem demokratischen politischen System ungleich einfach haben als die Menschen damals. Wir suchen nach der Kraft, von der wir nur zu deutlich spüren, dass wir sie nicht in uns selber haben. Wir tun gut daran. Die Worte des Epheserbriefes appellieren nicht an unsere Möglichkeiten. Sie spornen uns an, die Gegenmittel zu ergreifen, die Gott uns zur Verfügung stellt. Wir sollen unsere Hüften mit Gottes Wahrheit gürten, den Panzer seiner Gerechtigkeit anlegen. Wir sollen bereit sein, für das Evangelium des Friedens einzutreten, dann haben wir Stiefel, die unsere Beine schützen. Mit dem Schutzschild des Glaubens sollen wir alle feurigen Pfeile des Bösen abwehren. Gottes Heil, seine Rettungstat ist der Schutzhelm unseres Kopfes. Und unser Schwert ist das des Heiligen Geistes: das Wort Gottes.

Bei der Vorbereitung sind einige von uns darüber gestolpert, dass hier militärische Begriffe gebraucht werden, dass ausdrücklich von Waffen die Rede ist. Das wollen wir doch ausdrücklich nicht, mit Waffengewalt gegen andere vorgehen. Ich will jetzt nicht darauf eingehen, dass der Pharao in Ägypten die hebräischen Sklaven nicht freiwillig hat ziehen lassen und dass Millionen von russischen, amerikanischen, englischen und französischen Soldaten ihr Leben dafür gelassen haben, um der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus ein Ende zu setzen. Das ist nicht das, wovon unser Bibeltext spricht. Es ist zwar von Gewicht, aber es reicht auch nicht aus, darauf hinzuweisen, dass es sich bis auf das Schwert des Wortes Gottes ausschließlich um Verteidigungs- und nicht um Angriffswaffen handelt. Das Entscheidende ist der Inhalt dieser militärischen Bilder und Begriffe. Und die sind das genaue Gegenteil alles Militärischen.

Hier ist eben nicht von Maschinengewehren, Leopardpanzern, Drohnen und anderen Präzisionswaffen geschweige denn von Atombom-ben die Rede, sondern von Gottes Wahrheit, seiner Gerechtigkeit, dem Vertrauen auf ihn, auf die Macht seiner Worte. Alles was hier steht liegt auf der Linie dessen, was Gott im Alten Testament durch den Propheten Sacharja sagt: es soll nicht durch Heer oder Kraft geschehen, sondern durch meinen Geist.

Wahr ist, dass wir einen Gott haben, dessen vollkommene Liebe alle Furcht vertreibt und dessen Liebe alleine die Macht hat, uns von aller Sorge um uns selber zu heilen. Wahr ist, dass Gott mit dieser Liebe allen seinen Menschenkindern zuvorkommt, dass wir alle in der Schuld von Gottes Liebe stehen

Wahr ist, das wir in Gottes Verhältnis zu seinem Volk Israel das Urbild dieser Liebe vor Auge haben, an dem wir erkennen können, wie wir anderen Völker mit diesem Gott dran sind. Wahr ist, dass Gott Israel seinen Augapfel nennt, und dass er sagt: wer mein Volk antastet, der muss wissen, dass er damit meinen Augapfel antastet, dass er mich damit meiner Sehfähigkeit beraubt. Wahr ist, dass wir in Jesus Christus einen Juden als unseren Herrn haben. Wahr ist, dass, wenn wir Gottes Wahrheit von uns weisen, wenn wir sie abstreiten, dass wir uns damit aller Widerstandsfähigkeit gegen das Böse berauben.

Gegen das Böse, gegen das Unrecht, gegen die Unmenschlichkeit schützt uns Gottes Gerechtigkeit. Gottes Gerechtigkeit nimmt sich nicht die Wohlhabenden und Reichen, die Zufriedenen und die Satten zum Maß, sondern die Wohnungslosen und Alleinerziehenden, die Vergewaltigten, die Zeitarbeiterinnen und die Langzeitarbeitslosen, die Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen, die Menschen, die aus Tschetschenien, Syrien und Kroatien, aus Algerien, aus Mazedonien, Nigeria oder dem Kongo zu uns kommen, weil in ihrem Land Krieg herrscht, weil sie wegen ihres Glaubens verfolgt werden, oder weil ihnen die Abhängigkeit vom Sozialamt und das zusammengepferchte Wohnen in einem Übergangsheim in Vlotho im Vergleich zu dem wirtschaftlichen Elend in ihrem Heimatland wie eine rosige Oase vorkommt. Für sie springt Gott in die Bresche. Nur wo ihr aller Recht erstritten wird, macht es Sinn, nach der Gerechtigkeit eines Landes zu fragen. Solange wir weiter behaupten, das europäische Boot sei voll, Flüchtlingsboote im Mittelmeer ertrinken lassen und Millionenbeträge investieren, um die Grenzen mit militärischen Mitteln gegen die Flüchtlinge abzuschirmen, statt an dem Abbau des Gefälles zwischen  reichen und armen Ländern zu arbeiten, solange verspotten wir Gottes Gerechtigkeit. Wir berauben nicht nur die anderen, sondern auch uns selbst des Schutzes von Gottes Gerechtigkeit.

Schutz gegen Unrecht, Schutz gegen Unmenschlichkeit, Schutz gegen das Böse wächst und schlägt Wurzeln, jedes Mal, wenn wir Gott mehr glauben an uns selbst; jedes Mal, wenn wir Gott vertrauen, und die Sorge, dass wir, unsere Gemeinde, unser Land zu kurz kommen könnten, loslassen. Der Schutz gegen Unrecht und Un-menschlichkeit wächst jedes Mal, wenn wir Gott glauben, anstatt auf unsere Angst vor dem Fremden, vor den Fremden zu hören, wenn wir Gott vertrauen, anstatt uns vor dem Teilen zu ängstigen. Gottes Wort ist unsere einzige Angriffswaffe. Nichts ist entwaffnender als Gottes Bereitschaft, sich mit uns zu versöhnen, und dabei den ersten Schritt zu tun. Nichts ist entwaffnender, als dass Gott sich uns  gegenüber aufs Bitten verlegt: dass er uns durch seinen Apostel in Jesu Namen bitten lässt: Lasst euch versöhnen mit Gott. Und dann hofft, dass wir uns von ihm anstecken lassen.

Vor 25 Jahren haben Mitglieder der Mendel-Grundmann-Gesellschaft es gewagt, sich mit einer Bitte um eine neue Annäherung, als ein Zeichen auf einem Weg zu einer möglichen Versöhnung, an die ehemaligen jüdischen Bürger und Bürgerinnen Vlothos zu wenden, die verstreut in verschiedenen Ländern der Welt lebten, und sie erneut für eine Woche nach Vlotho in ihre frühere Heimatstadt einzuladen. Die meisten sind dieser Bitte gefolgt. In der neuen Auflage des Buches des Mendel-Grundmann-Gesellschaft „Sie waren Bürger unserer Stadt“ kann man die bewegenden Berichte über dieses Treffen nachlesen.

Das Geschenk einer solchen neuen Annäherung ist ein kostbarer und zugleich zerbrechlicher Schatz. Noch immer haben wir den Antisemitismus nicht hinter uns. Nicht nur die von der Bundesre-gierung in Auftrag gegebene Antisemitismusstudie zeigt, wie sehr er noch immer in der Mitte unserer Gesellschaft beheimatet ist. das zeigt nicht nur die offizielle Antisemitimusstudie, die von der Bundesregierung in Auftrag gegeben wurde. Wann hört das endlich auf, dass das Judentum in beiläufigen Nebensätzen in den Medien, in Alltagsgesprächen weiter als eine Vergeltuns-Religion karrikiert und verzeichnet wird? Wann werden, um nur ein Beispiel zu nennen, Menschen endlich glauben, dass das biblische „Auge um Auge“ im Judentum nichts mit Rache und Vergeltung zu tun hat, sondern auf einen Ausgleich im Sinne einer Schadensregelung zielt? Wie viel Mut brauchst du, um dazwischen zu gehen, wenn ein Mitschüler auf dem Schulhof mit Worten fertig gemacht wird, oder wenn Du in der Südkurve im Fanblock stehst und die anderen einen Spieler der gegnerischen Mannschaft als „schwarze Sau“ beschimpfen“?

Herr, rüste Du uns aus mit Deiner Macht und Stärke, mit Deiner Wahrheit, dass sie uns kostbar wird, mit Deiner Gerechtigkeit, dass sie in unserem Recht Gestalt annimmt! Rüste uns aus mit dem festen Vertrauen auf Dich und allem, was Du uns zugesagt hat. Nimm du uns unsere Angst und unser Zaudern, dass wir es wagen, dem Bösen zu widerstehen. Amen.

 

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Mendel-Grundmann-Gesellschaft fuhr mit Bildungswerk HORIZONTE nach Erfurt

Interessante Fahrt unter Leitung von Ulrich Ammon und Ralf Steiner

 Am Wochenende 20./21.April fuhr die Mendel-Grundmann-Gesellschaft mit insgesamt 15 TeilnehmerInnen „Auf jüdischen Spuren“ nach Erfurt. Die Ausarbeitung des Fahrtprgramms lag in den Händen des Vlothoer Bildungswerkes HORIZONTE e.V. mit seinem Motto „Der Weg ist das Ziel“. Von Kassel ging es nicht auf der Autobahn weiter, sondern durch den Kaufunger Wald, um den Hohen Meißner herum und die mittlere Werra aufwärts mitten durch die hübschen Fachwerkstädte Wanfried, Heldra und über die ehemalige Grenze weiter nach Treffurt und Creuzburg. Dort warteten im Burgrestaurant schon leckere Suppen zur Auswahl. Die Creuzburg über dem östlichen Werra-Ufer ist nicht nur als zeitweiliger Wohnsitz der heiligen Elisabeth von Thüringen bekannt, sondern beherbergte auch die Reformatoren Luther und Melanchthon. Dann ging es weiter nach Erfurt, zunächst ins Nikolai-Gästehaus, von dort mit der Stadtführerin zu Fuß in die Stadt, die im Mittelalter eine große jüdische Gemeinde beheimatete. Die heute als jüdisches Museum genutzte Alte Synagoge ist die einzige bis zum Dachstuhl noch ursprünglich erhaltene Synagoge in Mitteleuropa. Ein 2 ½ stündige Stadtführung führte die Vlothoer Besucher nicht nur zur Alten und zur kleinen Synagoge, sondern folgte auch nichtjüdischen Spuren in der Stadt, die im später Mittelalter die viertgrößte Stadt im deutschsprachigen Mitteleuropa war. So spannte sich der Weg von der berühmten Krämerbrücke bis zum Domberg.

Der Sonntagvormittag galt der bedrückenden Führung bei „Topf und Söhne“, den Ofenbauern von Auschwitz. Der Vorsitzende der Fördervereins dieser Gedenkstätte, Rüdiger Bender, führte die Gruppe mit einer intensiven und engagierten Führung durch die Büroetage des früheren Firmengebäudes. Anhand zahlreicher erhaltener Dokumente, dabei umfangreicher Schriftverkehr zwischen der Firma und der SS in den Jahren 1942-1944 zeigen, wohin Geschäftsdenken und technischer Ehrgeiz Ingenieure und Techniker der Firma führten. Die Dokumente belegen weniger einen ausgeprägten Antisemitismus als vielmehr eine rein technokratische, menschlich pervertierte Denkweise über das eigene berufliche Handeln. Ehrgeizige Mitarbeiter der Firma entwickelten sogar aus eigenem Antrieb – ohne Auftrag der SS – noch effizientere Verbrennungsöfen und schlugen sie der SS zur Ausführung vor. Und das, obwohl den handelnden Mitarbeitern bekannt war, dass es sich im Lager Auschwitz-Birkenau und beim Einsatz ihrer Krematoriumsöfen um Menschenvernichtung im großen Stil handelte.

Die 30km Landstraße nach Gotha schufen ein wenig Abstand zu dieser betroffen machenden Gedenkstätte, ein Rundgang ums Schloss und ein Spaziergang hinunter in die hübsche Altstadt der ehemaligen Residenzstadt endeten im Ratskeller beim guten Mittagessen. Der Nachmittag stand im Zeichen der Wartburg, der Lutherstube und den Erläuterungen von Ralf Steiner zu Luther und von Claudia Steiner zum politisch motivierten Wartburgfest von Studenten und Professoren 1817.

Den Abschluss der inhaltsreichen Fahrt bildeten das Kaffeetrinken und ein Rundgang in der historischen Altstadt von Eisenach, bevor sich die Gruppe wieder auf den Heimweg nach Ostwestfalen machte. 


 

Spendenkonto:

Mendel-Grundmann-Gesellschaft e. V. Vlotho

Konto 250 614 252

Sparkasse Herford, Blz. 494 501 20

 

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